„Gib mir nicht, was ich begehre" Das Musikvideo Vertigo untersucht die Dynamiken männlicher Obsession sowie die Konstruktion weiblicher Idealbilder innerhalb eines kulturell geprägten, patriarchalen Blickregimes. Der Titel verweist bewusst auf Vertigo (1958) - Aus dem Reich der Toten von Alfred Hitchcock und markiert damit einen zentralen Ausgangspunkt der Arbeit. Ausgehend von dieser Referenz entwickelt sich das Musikvideo als Hommage und als freie Aneignung. Es greift zentrale Motive des Films auf - Projektion, Besessenheit und die destruktive Kraft idealisierter Bilder - und überführt sie in einen zeitgenössischen visuellen Kontext. Dabei verstehe ich das Projekt nicht als bloße Referenz, sondern als bewusste Auseinandersetzung mit Hitchcocks Werk. Seine psychologische Tiefe, visuelle Präzision und die ikonischen Vertigo-Effekte bilden eine Grundlage, die ich zugleich neu interpretiere und weiterdenke.
Im Zentrum steht für mich ein Gedanke von Jacques Lacan: „Gib mir nicht, was ich begehre." Dieser Satz beschreibt für mich die Spannung zwischen Begehren und Erfüllung - und die Angst, dass ein Ideal seine Wirkung verliert, sobald es real wird. Diese Idee zeigt sich in der Figur des Protagonisten, dessen Sehnsucht nach einem idealisierten Frauenbild ihn zunehmend von der realen Beziehung entfernt und schließlich in einen inneren Abgrund führt. Das Musikvideo untersucht außerdem, wie der männliche Blick im patriarchalen Kontext weibliche Identität zur Projektionsfläche macht. Daraus entstehen Obsession, Entfremdung und ein Verlust von Realität. Weibliche Autonomie bedeutet hier die Befreiung aus dieser Projektion und die Rückkehr zur eigenen Selbstbestimmung.