„Was du nicht siehst“ ist ein 3D-animiertes Video über das individuelle Erleben von einer Migräneattacke. Auf Basis einer Umfrage mit 43 Betroffenen sowie medizinischer Fachliteratur werden subjektive Empfindungen in eine Bildsprache übersetzt und als visuelles Erlebnis erfahrbar gemacht.
Die Arbeit beschäftigt sich künstlerisch-wissenschaftlich mit der Frage „Wie kann die individuelle Erfahrung einer Migräneattacke durch 3D-Animation in ein audiovisuelles Werk übersetzt und sichtbar gemacht werden?“
Das Video thematisiert die Unsichtbarkeit von Migräne und den inneren Konflikt der Betroffenen, die sich zwischen äußerer Normalität und einer intensiven, oft überwältigenden Wahrnehmung bewegen. Obwohl Migräne weltweit rund 1,3 Milliarden Menschen betrifft, wird sie häufig als „schlimmer Kopfschmerz“ missverstanden, eine Reduktion, die der Komplexität und Schwere dieser neurologischen Erkrankung nicht gerecht wird.
Das Video setzt genau an diesem Stigma an und macht erfahrbar, dass Migräne weit über Schmerz hinausgeht und von einer Vielzahl sensorischer und körperlicher Symptome begleitet wird. Der Inhalt wird in einem zugleich dramatischen und introspektiven Stil erzählt und verbindet persönliche Empfindungen mit abstrakten, hochwertigen Bildern sowie einer experimentellen Ästhetik. Reale Aufnahmen verschmelzen mit 3D Animationen und erschaffen eine visuelle Welt, die zwischen Realität und subjektiver Wahrnehmung wechselt. Dabei entsteht eine Bildsprache, die weniger erklärt als vielmehr fühlen lässt.
Das Video führt die Zuschauenden durch den Verlauf einer Migräne, ohne die einzelnen Phasen explizit zu benennen. Stattdessen werden die Veränderungen subtil erfahrbar gemacht, ein langsames Herantasten, eine zunehmende Intensivierung bis hin zu einem Höhepunkt und ein anschließendes Abklingen. Diese Struktur spiegelt den phasenhaften Charakter der Migräne wider und gibt Raum, das Erlebte zu verarbeiten. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Simulation der Aura, die häufig mit visuellen Störungen wie Flimmern, Lichtblitzen oder verzerrten Wahrnehmungen einhergeht. Diese Effekte werden nicht realistisch im klassischen Sinne dargestellt, sondern abstrahiert und künstlerisch interpretiert.
Im Zentrum steht die Interpretation individueller, komplexer Empfindungen von Betroffenen in eine audiovisuelle Form, die über sprachliche Beschreibungen hinausgeht. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die subjektive Erlebniswelt von Migräne zu schaffen, die Sichtbarkeit der Erkrankung zu erhöhen und Außenstehenden einen Zugang zu dieser Erfahrung zu ermöglichen, denn nur Sichtbarkeit schafft Normalität.






