„Fluctuare“ ist ein Ausstellungskonzept für eine begehbare Malereiausstellung und beschäftigt sich mit der Frage, wie das Spannungsfeld zwischen Irritation und Klarheit durch die räumliche Inszenierung von Malerei als Prozess erfahrbar gemacht werden kann.
Irritation gehört zu unserem Alltag. Sie entsteht oft genau dann, wenn etwas anders ist, als wir es gewohnt sind oder erwarten. Ein Bild wirkt merkwürdig, eine Situation fühlt sich ungewohnt an oder ein Raum funktioniert plötzlich nicht mehr so, wie wir ihn kennen. Für einen kurzen Moment geraten wir aus unserer gewohnten Wahrnehmung und beginnen genauer hinzusehen. Genau dieser Moment interessiert mich. Ich sehe Irritation nicht als etwas Negatives, sondern als einen Zustand, der Aufmerksamkeit erzeugt und den Blick auf Dinge verändern kann.
Mit „Fluctuare“ möchte ich diesen Prozess in eine Ausstellung übersetzen. Dabei steht nicht nur die Malerei selbst im Mittelpunkt, sondern auch der Raum, in dem sie gezeigt wird. Die Bilder sollen nicht nur einzeln betrachtet werden, sondern miteinander funktionieren und gemeinsam eine Geschichte erzählen. Deshalb spielen auch die Hängung, die Bildformate und die Anordnung im Raum eine wichtige Rolle.
Die Ausstellung führt die Besucherinnen und Besucher durch drei Bereiche. Am Anfang wirken die Arbeiten ungewohnt und teilweise überfordernd. Unregelmäßige Bildformate, fragmentierte Leinwände und eine ungewöhnliche Hängung sorgen dafür, dass man sich erst orientieren muss. Im weiteren Verlauf wird die Gestaltung ruhiger. Die Arbeiten werden klarer, die Reize nehmen langsam ab und der Raum öffnet sich. Am Ende entsteht keine vollständige Ordnung. Einige Spuren der Irritation bleiben bestehen und erinnern daran, wo der Weg begonnen hat.
Meine malerischen Arbeiten entstehen größtenteils intuitiv. Oft beginne ich nur mit einer Figur oder einer Stimmung und entwickle das Bild Schritt für Schritt weiter. Farben, Formen und Motive entstehen erst während des Malens. Die Bedeutung eines Bildes erschließt sich mir häufig erst Wochen oder Monate später. Dadurch entstehen Bildserien, die miteinander verbunden sind und sich gegenseitig ergänzen, ohne eine eindeutige Geschichte vorzugeben.
„Fluctuare“ verbindet Malerei und Raum zu einem gemeinsamen Erlebnis. Die Ausstellung lädt dazu ein, sich auf Unsicherheit einzulassen, genauer hinzusehen und den Weg von Irritation zu einer neuen Form von Klarheit selbst zu erleben.